Wutausbruch mit klaffender Wunde
Manchmal ist es nicht die Schwere einer Verletzung, sondern ihr schierer Anblick, der Entsetzen auslöst – beim Betroffenen wie bei den Zuschauenden. Als der damalige Bielefelder Ewald Lienen sah, welch klaffende Wunde ihm Werders Verteidiger Norbert Siegmann am 2. Spieltag der Saison 1981/82 mit seinen Stollen beigefügt hatte, fing er an zu schreien und guckte immer wieder auf das offene Bein mit dem blanken Muskel. Dann stand er auf, humpelte auf Trainer Otto Rehhagel zu, zeigte wieder auf die 25 cm lange Fleischwunde und bezichtigte ihn, seinen Spieler zu dem Foul angestachelt zu haben. Beim Rückspiel in Bielfeld trug Rehhagel, der im Vorfeld Morddrohungen erhalten hatte, vorsichtshalber eine kugelsichere Weste. Zudem wurde ihm Polizeischutz zur Seite gestellt
Versöhnliche Worte
Siegmann erhielt zwar nur die gelbe Karte und entschuldigte sich per Brief, musste fortan aber mit dem Beinamen "Schlitzer" leben. Der Gefoulte verklagte ihn erfolglos wegen gefährlicher Körperverletzung, zeigte aber auch Verständnis. „Das hätte jedem anderen Innenverteidiger der damaligen Zeit auch passieren können, denn so wurde damals Fußball gespielt", sagte Lienen später.