Ohne Fans zum Abstieg
Die Geisterspiele
Manche sagen, ein Stadion habe eine Seele. Wenn dem so ist, hat die des Weserstadions von März 2020 bis Mai 2021 besonders gelitten. Es war die Zeit der Geisterspiele während der Covid 19-Pandemie. Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, durften nur noch Personen ins Stadion, die unmittelbar mit dem Spielgeschehen zu tun hatten. Erst gegen Ende der Saison 2020/21 wurde schrittweise wieder Zuschauer ins Stadion gelassen. Im Stadion war es so still, dass man die Stimmen von Spielern und Betreuer *inne n bis hinauf auf die spärlich besetzten Presseplätze auf der Südtribüne hören konnte. Das Betreuerteam nutzten die Stille, um die eigenen Spieler, die es gewohnt waren, vom ganzen Stadion gefeuert zu werden, wenigstens provisorisch zu unterstützen.
Der helle Klang des Medizin-Koffers
Dabei funktionierten sie einen Medizin-Koffer aus Metall zu einem Schlaginstrument um, auf das sie rhythmisch einhämmerten. Diese Art der Geisteraustreibung erlangte schnell bundesweite Berühmtheit, gefiel aber insbesondere dem damaligen Trainer des VfL Wolfsburg, Oliver Glasner, nicht. Er warnte im Vorfeld einer Partie im Weserstadion vor „Tohuwabohu und Radau“.
Während das Engagement der Betreuer im Frühjahr 2020 über den Einzug in die Relegation mit dem Klassenerhalt belohnt wurde, stieg die Mannschaft ein Jahr später mit dem letzten Geisterspiel doch noch ab.