Der dumpfe Klang des Pfostens
Für Werder-Fans war es einer der bittersten Momente, die sie je im ausverkauften Weserstadion miterleben mussten. Über 40.000 Menschen bereiteten sich an diesem 22. April 1986 in der 89. Minute des Spiels gegen Bayern München auf den größten Jubelschrei seit der Meisterschaft 1965 vor. Kurz zuvor war Bayernspieler Sören Lerby im Zweikampf mit Rudi Völler der Ball im Strafraum an die Hand gesprungen. Der Bremer Torjäger feierte in diesem Spiel sein Comeback nach monatelangem Ausfall aufgrund des schweren Fouls von Klaus Augenthaler im Hinspiel.
Blankes Entsetzen
Michael Kutzop, einer der sichersten Elfmeterschützen der Bundesliga, der bis dahin nie einen Strafstoß für Werder verschossen hatte, lief an. Jeder im Stadion und am Radiogerät wusste: wenn er trifft, ist Werder Bremen zum zweiten Mal Deutscher Meister. Doch dann war kein Jubel zu hören, sondern nur der dumpfe Klang des Pfostens, gefolgt von ohrenbetäubender Stille. Nur die Münchner jubelten, das Spiel endete 0:0. Obwohl Werder die Scharte am letzten Spieltag mit einem Sieg in Stuttgart noch hätte auswetzen können, ahnte jeder: das war’s. Werder verlor in der Tat mit 1:2 beim VfB und Bayern wurde Meister.