Das Stadtderby in der Oberliga
Wenn heute in Bremen von einem Derby die Rede ist, denken die meisten sofort an die Duelle zwischen Werder Bremen und dem HSV. Doch das war nicht immer so. In der Nachkriegszeit hatte Bremen acht Jahre lang sein ganz eigenes Stadtderby in der höchsten deutschen Spielklasse. Von 1947 bis 1955 und noch einmal 1961/62 trafen Werder Bremen und der Bremer Sportverein (BSV) in der neu gegründeten Oberliga Nord aufeinander. Diese Begegnungen hatte es auch schon in den 1920er und 1930er Jahren gegeben, ohne dass sie damals als besonders aufregendes Derby wahrgenommen wurden.
Bremer SV: Zum Heimspiel ins Weserstadion
Den BSV verbinden heute die meisten mit dem Stadion am Panzenberg, dem bis heute der raue Charme des alten Arbeiterstadtteils Walle anhaftet. „Bier, Wurst, Panzenberg“ lautet schließlich nicht ohne Grund der Vereinsslogan. Weniger bekannt ist dagegen, dass der BSV seine Heimspiele in der Oberliga im Weserstadion austrug. Der eigene Platz, seinerzeit der Sportplatz des Westens an der Dedesdorfer Straße, erfüllte nicht die Bedingungen des DFB und war für den Zuschauerandrang bei Oberliga-Spielen zu klein.
Die Stadtderbys lebten nicht nur von der sportlichen Rivalität, sondern auch von den Gegensätzen, die man ihnen zuschrieb, in der Realität aber nicht zutrafen. Hier der „Bonzenclub“ aus dem bürgerlichen Osten, dort der „Proletenverein“ aus dem Westen. Die Duelle Richard Ackerschott gegen Erwin Mill oder Horst Gernhardt gegen Heini Tünnermann, der übrigens später die Seiten wechselte und bei Werder spielte, elektrisierten die Massen. 30.000 Zuschauer wollten das erste Oberliga-Derby am 5. Oktober 1947 sehen, das Werder dank eines Viererpacks von Gernhardt mit 4:1 gewann. Den ersten Sieg des BSV gab es am 6. März 1949 mit einem 3:2. Am Ende jener Saison lag der BSV als Tabellenfünfter zum einzigen Mal vor dem Achten Werder.
Hitzige Duelle, gemeinsame Interessen
Obwohl Zeitzeugen die Bremen-Derbys als besonders hitzig beschreiben, scheint das Verhältnis zwischen beiden Vereinen abseits des Rasens durchaus kollegial gewesen zu sein. Als es Werder anlässlich seines 50-jährigen Vereinsjubiläums 1949 nicht gelang, eine ausländische Mannschaft zu verpflichten, waren „Werders alter Ortsrivale“ und der Rekordmeister Schalke 04 die „großen Gegner in dieser Jubiläumswoche“, wie es im Programmheft hieß.
Gemeinsam war den beiden Aushängeschildern des Bremer Fußballs der chronische Geldmangel. So blieben sie der Stadt als Verpächterin des Weserstadions zu Oberligazeiten mehrfach die Stadionmiete schuldig und baten um Erlass oder zumindest um einen Nachlass.
Die Zeit der Stadtderbys auf Augenhöhe endete 1955 mit dem Abstieg des BSV und wurde nur noch einmal kurzzeitig aufgefrischt, als der Verein 1961 für eine Saison in die Oberliga zurückkehrte. Werder hatte den Kampf um die Vorherrschaft in der Stadt Bremen gewonnen – allerdings noch nicht im Bundesland. Weder Werder noch der BSV schafften es als erster Vertreter des Landes Bremen in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Dies blieb Bremerhaven 93 vorbehalten.
Rückkehr zum Jahrhundertspiel
Die Seestädter waren 1948 in die Oberliga Nord aufgestiegen und qualifizierten sich 1954/55 mit dem zweiten Tabellenplatz für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Für ihre drei Heimspiele zogen sie vom heimischen Zollinland-Platz („Zolli“) ins Weserstadion um. Durch Siege gegen Wormatia Worms und Kickers Offenbach sowie ein Unentschieden gegen den späteren Deutschen Meister Rot-Weiss Essen, für den der WM-Held Helmut Rahn auflief, belegten sie den zweiten Platz in ihrer Gruppe und verpassten den Einzug ins Endspiel.
Der BSV kehrte bis heute nur noch für ein einziges Spiel ins Weserstadion zurück: Am 25. August 2021 empfing er dort in der ersten Runde des DFB-Pokals den FC Bayern München. Die 0:12-Niederlage konnte die Bedeutung der Partie als „Jahrhundertspiel“ für den Verein nicht schmälern.
Das Stadtderby in der Oberliga
Wann fand das erste Bremer Oberliga-Derby zwischen Werder und dem BSV statt?
30.000 Zuschauer wollten das erste Oberliga-Derby am 5. Oktober 1947 sehen, das Werder dank eines Viererpacks von Gernhardt mit 4:1 gewann. Den ersten Sieg des BSV gab es am 6. März 1949 mit einem 3:2. Am Ende jener Saison lag der BSV als Tabellenfünfter zum einzigen Mal vor dem Achten Werder.
Gegen welchen Verein bestritt der BSV 2021 sein „Jahrhundertspiel“ im Weserstadion?
Am 25. August 2021 empfing der BSV im Weserstadion in der ersten Runde des DFB-Pokals den FC Bayern München. Die 0:12-Niederlage konnte die Bedeutung der Partie als „Jahrhundertspiel“ für den Verein nicht schmälern.
Welcher Verein aus dem Land Bremen erreichte als erster die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft?
Weder Werder, Blumenthal noch der BSV schafften es als erster Vertreter des Landes Bremen in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Dies blieb Bremerhaven 93 vorbehalten.
In welchem Stadion trug der Bremer SV seine Heimspiele in der Oberliga Nord aus?
Den BSV verbinden heute die meisten mit dem Stadion am Panzenberg, dem bis heute der raue Charme des alten Arbeiterstadtteils Walle anhaftet. „Bier, Wurst, Panzenberg“ lautet schließlich nicht ohne Grund der Vereinsslogan. Weniger bekannt ist dagegen, dass der BSV seine Heimspiele in der Oberliga im Weserstadion austrug. Der eigene Platz, seinerzeit der Sportplatz des Westens an der Dedesdorfer Straße, erfüllte nicht die Bedingungen des DFB und war für den Zuschauerandrang bei Oberliga-Spielen zu klein.
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