Jeder auf seine Art - die Macher des SVW

Der SV Werder Bremen wurde in seiner Geschichte von zahlreichen Persönlichkeiten geprägt. Mit der Entwicklung des Weserstadions sind ihre Namen allerdings vor allem seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verbunden. Als die ersten großen Stadionerweiterungen 1949 und 1963 erfolgten, stand Alfred Ries an der Spitze des Vereins. Da ihm aufgrund seiner besonderen historischen Bedeutung ein eigenes Kapitel gewidmet ist, beginnt diese Ahnenschau mit dem Mann, der damals die Geschicke Werders im Alltag lenkte: Geschäftsführer Hans-Egon Conrad „Hansi“ Wolff. 

Sein Spitzname lautete „Hansi Werder vom Sport-Verein Wolff“ – eine Bezeichnung, die seinen Einfluss treffend beschrieb. Der aus Syke stammende Wolff war bereits vor dem Krieg in der Geschäftsstelle tätig und übernahm darüber hinaus Aufgaben als Kassierer und Leiter der Fußballabteilung. Obwohl er als „Halbjude“ unter die nationalsozialistischen Rassegesetze fiel, blieb seine Stellung bei Werder davon weitgehend unberührt, während ihm seine berufliche Existenz als Vertreter genommen wurde. 

Mit der Neugründung des SV Werder im Jahr 1946 wurde Wolff zum starken Mann des Vereins. Unter seiner Führung schaffte die erste Herrenmannschaft den Weg in die neu gegründete Oberliga und schließlich 1963 in die Bundesliga. Als Werder dort in den 1970er Jahren sportlich ins Mittelmaß abrutschte, verlor Wolff erst seinen bestimmenden Einfluss und dann seinen Job. Die Macht verlagerte sich wieder ins Präsidium. 

Geschäftsführer Hans-Jürgen Wolff (rechts) mit neuem 3. Vorsitzenden Klaus-Dieter Fischer. März 1970 (Bild: Weserkurier)

Dort prägten von 1970 an zwei Männer eine ganze Epoche: Dr. Franz Böhmert und Klaus-Dieter Fischer. Böhmert, hauptberuflich Ärztlicher Direktor des Klinikums „Links der Weser“, war seit 1963 Mannschaftsarzt der Bundesliga-Mannschaft gewesen. In die Vereinsführung holte ihn sein späterer „Vize“ Fischer, der zuvor bereits als Schiedsrichter, Jugendtrainer, Schatzmeister und 3. Vorsitzender nahezu jede Ebene des Vereins kennengelernt hatte. 

Nach außen verkörperte Böhmert den Verein mit diplomatischem Geschick und gewinnender Ausstrahlung. Er knüpfte wichtige Kontakte innerhalb des DFB und später der DFL und verstand es, Konflikte zu entschärfen. Im Hintergrund zog dagegen meist Fischer die Fäden. Er kannte im Verein nahezu jedes Detail, jede Abteilung und alle Mitarbeitenden. Gemeinsam bildeten beide über Jahrzehnte das Machtzentrum des SV Werder. 

Dr. Franz Böhmert (Bild: IMAGO)

Nach der Krisensaison 1998/99 übernahm Böhmert in der neuen Vereinsstruktur bis zu seinem Tod 2004 den Vorsitz des Aufsichtsrats. Fischer wechselte in den Vorstand und wurde nach der Ausgliederung der Profiabteilung im Jahr 2003 zugleich Geschäftsführer der SV Werder Bremen GmbH & Co. KG aA sowie Präsident des Gesamtvereins. 2014 zog er sich von allen Ämtern zurück und wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt. Zudem wurde die Werder-Halle an der Hermine-Berthold-Straße nach ihm benannt.   

Zum Nachfolger von Hansi Wolff als Manager hatten beide zunächst den Ex-Spieler Rudi Assauer gemacht. Als dieser 1982 zu Schalke 04 wechselte, heuerten sie den SPD-Landesgeschäftsführer Willi Lemke an. Der überließ in sportlichen Fragen im Gegensatz zu Assauer Trainer Otto Rehhagel das Sagen, führte den Club aber in der Vermarktung in neue Sphären.  

Besonders am Herzen lag Lemke die Weiterentwicklung des Weserstadions. Bereits vor seiner Beschäftigung bei Werder hatte er beim Ausbau der Nordtribüne 1977 seine politischen Kontakte zugunsten des Vereins eingesetzt.  

In den folgenden Jahrzehnten spielte er auch bei der Modernisierung der übrigen Stadionseiten eine entscheidende Rolle. Auf seine Initiative entstanden 1992 in der neuen Südtribüne die ersten VIP-Logen der Bundesliga. Gleichzeitig sorgten erfolgreiche Sponsoren- und Fernsehverträge sowie Transfererlöse von Spielern wie Rudi Völler und Karl-Heinz Riedle dafür, dass Werder sich finanziell an den Baumaßnahmen beteiligen konnte. Nach seinem Wechsel in den Bremer Senat blieb Lemke dem Verein eng verbunden. Von 1999 bis 2014 gehörte er dem Aufsichtsrat an, ab 2004 als dessen Vorsitzender.

Lemke (Bild: IMAGO)

Für Willi Lemke war das Weserstadion ein „Schmuckkästchen“, wie er es immer nannte. Zu seiner Zeit und auf seine Initiative wurden die entscheidenden Weichen gestellt für alles, was an Aus- und Umbauten noch folgen sollte. 

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