Das W aus dem Mikro
Mannschaftsaufstellung, Torschützen, Auswechslungen, Falschparker, Ergebnisse von anderen Plätzen – und vielleicht noch die Suche nach einem verlorengegangenen Kind: Solche Durchsagen waren in den Anfangsjahren der Bundesliga die Aufgaben des Stadionsprechers. Häufig übernahmen Vereinsmitarbeiter den Job nebenbei. Heute sitzen Profis am Mikrofon: eine Mischung aus Conférencier und Entertainer – und längst selbst Teil des Bundesliga-Erlebnisses.
Richard Oßenkop – der Ehrenpräsident
Schon in den frühen Bundesliga-Jahren konnte ein Stadionsprecher ein ganzes Stadion zum Jubeln bringen – so wie Werders Ehrenpräsident Richard Oßenkop. Am 8. Mai 1965 verkündete er kurz nach dem 3:0 gegen Borussia Dortmund das 0:0 zwischen dem 1. FC Köln und dem 1. FC Nürnberg. Damit war Werders erste Deutsche Meisterschaft perfekt. Horst-Dieter Höttges, Max Lorenz, Günter Bernard und Co. rissen die Arme hoch und stürmten jubelnd über den Rasen.
Karl-Heinz Mayr – der Disc-Jockey
1976 löste Karl-Heinz Mayr Oßenkop nach Querelen mit dem Präsidium ab. „Spezi“, wie ihn alle nannten, brachte neue Lockerheit in die Sprecherkabine – und jede Menge Musik. Schließlich arbeitete er als DJ in verschiedenen Discotheken der Stadt. Für den neuen Manager Willi Lemke war sein Stil allerdings zu sehr auf ein „Schicki-Micki-Publikum“ zugeschnitten. Lemke suchte einen Sprecher für die breite Masse.
Christian Günther – „The Voice“
1982 fand er ihn in Christian Günther. Der Journalist arbeitete als Radio-Moderator und war die bekannteste Stimme der Hansawelle von Radio Bremen. Für Stadionbesucher, für alle, die sie fast täglich im Radio hörten, schuf ihr sonorer Klang eine emotionale Verbindung zwischen Stadion und Alltag. Zugleich war Werder mit Günther indirekt ständig im Radio präsent – ein Effekt, den Lemke bei seiner Verpflichtung sicher einkalkuliert hatte.
Auch musikalisch schlug Günther eine Brücke zu Werder: Mitte der 1980er-Jahre rappte er auf einer Vinyl-Single den Song „Was ist bloß mit Rudi los“, eine Anspielung auf Rudi Völler. In der TV-Serie Knight Rider sprach er das Intro. Legendär wurden seine schlagfertigen Sprüche. Als der VfB Stuttgart einmal drei Spieler gleichzeitig auswechselte, kommentierte Günther: „Das ist keine Auswechslung, das ist eine Völkerwanderung.“
Fast 20 Jahre prägte er die Stimmung im Weserstadion und blieb bis kurz vor seinem Tod 2001 am Werder-Mikrofon.
Arnd Zeiger und Christian Stoll - ein Duo übernimmt
Ab der Saison 2001/02 übernahm mit Christian Stoll und Arnd Zeigler erstmals ein Duo das Werder-Mikrofon, die beide ebenfalls vom Radio kamen. Mit seiner unverkennbaren Stimme peitschte Stoll auch das Publikum beim Bremer Sechstage-Rennen ein. Von 2006 bis 2016 war er gemeinsam mit dem Münchner Moderator Andy Wenzel Stadionsprecher des DFB und unter anderem beim Sommermärchen 2006 im Einsatz. 2022 trennten sich die Wege von Werder und Stoll, der seit 2012 in Berlin lebt.
Mit Arnd Zeigler führt im Weserstadion einer der wohl bekanntesten Stadion-Sprecher Deutschlands weiterhin durch Spiel und Begleitprogramm. Sein aus Rundfunk und Fernsehen bekanntes Format „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ füllt Hallen. Außerdem ist er Autor von Fußballbüchern, Mit-Komponist der Werder-Hymne Lebeslang Grün-weiß und vieles andere. 2022 zeichnete ihn der DFB mit dem Fair Play-Preis aus, weil er beim Nordderby-Heimspiel des SVW die Aberkennung des Freistoßtores von Marvin Ducksch sachlich erläutert und damit zu einer fairen Atmosphäre beigetragen habe.