Das erste Mal -
Premieren im Weserstadion
Nicht nur jedem Tor, auch jedem Anfang wohnt bekanntlich ein Zauber inne. Das Weserstadion hat in seiner Geschichte schon einige dieser magischen Momente hervorgebracht.
Das erste Bundesliga-Tor
Am ersten Spieltag der neu gegründeten Fußball-Bundesliga fiel im Weserstadion am 24. August 1963 beim Spiel Werder gegen Borussia Dortmund das allererste Bundesliga-Tor. Wie es dazu kam, wird immer nur mit dem inneren Auge zu sehen sein. Ausgerechnet von diesem historischen Ereignis gibt es weder ein Foto noch eine Filmaufnahme.
Der Ball lag schon nach 58 Sekunden im Bremer Tor – darauf waren weder die einzige Fernsehkamera noch einer der Fotografen offenbar vorbereitet. Erzählt wird folgender Ablauf: Dortmunds Stürmer Lothar Emmerich ging auf der linken Seite bis zur Grundlinie, flankte nach innen, wo Timo Konietzka aus rund acht Metern verwandelte. Die folgenden vier Tore zu Werders 3:2-Sieg wurden dann im Bild festgehalten. Am Ende gab es weder eine Aufnahme noch drei Punkte für Konietzka und seine Borussia: Werder gewann mit 3:2.
Die erste Auswechslung
Weniger bekannt ist, dass auch die erste Auswechslung eines Spielers in einem Bundesliga-Spiel in Bremen stattfand. In den ersten Jahren der Bundesliga konnten verletzte Spieler nicht ersetzt werden, sondern mussten durchhalten. Ging dies nicht, musste seine Elf eben zu zehnt weiterspielen. Erst zur Saison 1967/68 trat eine Neuregelung in Kraft, wonach zumindest ein Spieler pro Mannschaft ersetzt werden konnte.
Nur acht Mannschaften machten am ersten Spieltag von dieser Regel Gebrauch, als erste der Hamburger SV beim Nordderby im Weserstadion. In der 20. Minute prallte Torwart Özcan Arkoc gegen den Pfosten, brach sich einen Finger und musste durch Schwerin ersetzt werden. Für den SV Werder bedeutet dieses Spiel noch eine andere, bittere Premiere: das 1:4 war die erste Niederlag gegen den HSV in der Bundesliga überhaupt.
Die ersten Einlaufkinder
Den Moment, da Bundesliga-Profis das erste Mal an der Hand von Kindern das Spielfeld betraten, musste das Weserstadion zwar mindestens mit dem Müngersdorfer Stadion in Köln teilen – und zwar zum bundesweiten Aktionsspieltag unter dem Motto „Mein Freund ist Ausländer am 12. Dezember 1992. Das Weserstadion war aber alleiniger Vorreiter dabei, dieses Ritual an jedem Heimspiel einzusetzen. Der Impuls dazu kam von Werders 2024 verstorbenem Ex-Manager Willi Lemke, der fest davon überzeugt war, dass jedes Kind, das einmal als Einlaufkind dabei war, sein Leben lang grün-weiß „infiziert" sei.
Die ersten Logen
Mit Willi Lemke wird auch eine andere Bremer Innovation verbunden. Die 1992 fertiggestellte Südtribüne erhielt 37 Logen für 364 Gäste, die als erste ihrer Art in der Bundesliga gelten. Das Vorbild dafür war das Stadion des RSC Anderlecht, gegen den Werder im Uefa-Pokal angetreten war. Zu einer Weiterentwicklung dieser Idee kam es 2004 mit der Ummantelung der Nordtribüne: der erste durchgehende VIP-Umlauf in einem deutschen Stadion entstand.
Jugendinternat und Ostkurvensaal
Das Weserstadion hat auch Maßstäbe gesetzt, indem seine begehrten Innen-Räume nicht nur für das Stadionerlebnis von VIPS zur Verfügung stehen. In den Neubau der Ostkurve wurde 1997 das Wilhelm-Scharnow-Internat für die Nachwuchskicker sowie der wahrscheinlich erste selbstverwaltete Fan-Raum in einem Bundesliga-Stadion integriert: der Ostkurvensaal, Treffpunkt der Fans an den Spieltagen, aber auch Ort zahlreicher Veranstaltungen im Themenfeld Fußball und Fankultur. Zudem ist das Fan-Projekt Bremen eingezogen - das 1981 das erste Projekt dieser Art in Deutschland war.