Makkabi-Meisterschaften 1934:
Sportlicher Widerstand

Ein jüdisches Sportfest im größten Stadion der Stadt im Jahr 1934, eineinhalb Jahre nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten? Klingt paradox, aber tatsächlich fanden am 8. Juli 1934 im Weserstadion die 1. Nordwestdeutschen Makkabi-Meisterschaften statt. 

(Bild: Staatsarchiv Bremen, 2026)

Aus Rücksicht auf Olympia 36: Jüdische Sportvereine noch kurzeitig erlaubt 

Makkabi ist der Name der internationalen jüdischen Sportbewegung, der bis Mitte der 1930er Jahre auch in Deutschland noch zahlreiche Vereine angehörten. In den ersten Jahren der Nazizeit genehmigten die Behörden noch sportliche Aktivitäten jüdischer Bürgerinnen und Bürger. Mit Rücksicht auf die außenpolitische Wirkung vor den Olympischen Spielen 1936 erließ der Reichssportführer Ende 1933 neue Direktiven, wonach die Spitzenverbände Schild und Makkabi anerkannt und den Sportvereinen vor Ort Rechte eingeräumt wurden.  

Am 26. Januar 1934 wurde der Turn- und Sportverein Bar Kochba Bremen gegründet, der sich dem Deutschen Makkabi-Kreis anschloss. Zu den Aktivitäten des Vereines gehörten Turnen, Gymnastik, Tischtennis, Leichtathletik und – bis zur erzwungenen Aufgabe seines Sportplatzes – Handball und Fußball. Die von Bar Kochba ausgerichteten Meisterschaften galten als Qualifikation für die Deutschen Makkabi-Meisterschaften und damit auch für die Makkabiade 1935 in Tel Aviv. Es nahmen ca. 300 Aktive aus Aurich, Bielefeld, Brakel, Bremen, Emden, Hamburg, Hannover, Herford, Kassel, Leer, Osnabrück, Peine sowie Stadtoldendorf teil. 

„Oben auf dem Osterdeich standen die Nazis – 1934! – und wussten nicht so recht, was da vor sich ging.“ 

Über fünfzig Jahre später erinnerte sich Moshe Shany, der Sohn des Organisators Felix Scheiniak: „Eine große Sache, ich marschierte als Pfadfinder mit ein, war beim Laufen dabei. Oben auf dem Osterdeich standen die Nazis – 1934! – und wussten nicht so recht, was da vor sich ging.“ Felix Scheiniak wanderte 1936 mit seiner Familie ins britische Mandatsgebiet Palästina aus. Bar Kochba war 1937 aufgrund wachsender Repressionen zur Aufgabe gezwungen.  

Gedenken im Weserstadion  

Zwei Tage nach der Reichspogromnach am 9. November 1938 berichteten die Bremer Nachrichten über die Plünderung des neben der zerstörten Synagoge gelegen Rosenakenhauses: „Bilder großer und kleiner Juden hängen an den Wänden. Eines fällt besonders auf: es zeigt eine Gruppe jüdischer Sportler bei Freiübungen und hat die Unterschrift Nordwest-deutsche Bezirks-Meisterschaften/deutscher Makkabikreis/Bar Kochba Bremen. Es ist aus mit dem Makkabikreiseln! Aber 1934, am 8. Juli durften die Juden noch im damaligen Weser-Stadion ‚Meisterschaften‘ durchführen!“  

Heute gibt es mit Makkabi Bremen wieder einen jüdischen Sportverein in der Stadt. Im Rahmen des 125. Jubiläums von Werder Bremen wurde 2024 mit einer Veranstaltung im Weserstadion an die Makkabi-Meisterschaften 90 Jahre zuvor erinnert. 

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100 Jahre Weserstadion - Tauche ein in ein bewegtes Jahrhundert voller großer Sportmomente, magischer Nächte und einzigartiger Atmosphäre.