Zwischen Wunschlage und Widerstand

Die Geschichte der Anwohnerkonflikte um das Weserstadion

Es gibt Stadien am Fluss. Es gibt Stadien mitten im Wohngebiet. Und es gibt Stadien im Grünen. Das Weserstadion vereint all das auf einzigartige Weise. Genau diese besondere Lage macht es zu einer der schönsten Arenen Deutschlands. Wer sich auf einen Spieltag einstimmen möchte, kann mit dem Schiff anreisen, auf dem Peterswerder in einer der zahlreichen Kneipen einkehren oder gemütlich durch die Pauliner Marsch spazieren. 

Nähe schafft Spannungen 

Doch genau das, was den Reiz des Stadions ausmacht, sorgt seit jeher auch für Konflikte. Die Nähe zur Weser bringt Hochwassergefahr mit sich, die direkte Nachbarschaft zu Wohngebieten führt zu Spannungen, und die Lage inmitten eines sensiblen Naturraums setzt der Entwicklung Grenzen.

Schon in der Planungsphase des ersten Stadions regte sich Widerstand. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Peterswerder zu einem beliebten Wohnstandort, dessen überwiegend gut situierte Anwohnerschaft die Veränderungen aufmerksam verfolgte. Als die Stadt 1923/24 den Bau eines Stadions plante, gründeten Anwohner die „Interessengemeinschaft gegen den Bau eines Stadions auf dem Peterswerder“. 56 Unterzeichner sprachen sich gegen das Vorhaben aus und forderten, den „Schausportbetrieb“ in einen anderen Stadtteil zu verlegen. 

Moderation der Konflikte 

Beispielsweise der Ausbau der Nordtribüne und die Erhöhung der Zuschauerkapazität lösten von 2002 bis 2004 Proteste aus. Im Mittelpunkt standen die befürchtete Zunahme des Verkehrs, Fragen der Erreichbarkeit des Stadions sowie die Planungen für ein Drive-in-Restaurant. Der Senat reagierte schließlich mit einem umfassenden Verkehrs- und Anwohnerschutzkonzept, das unter anderem Maßnahmen zur Verkehrslenkung und zum Schutz der angrenzenden Wohngebiete vorsah.

Nach diesen Erfahrungen wurde endgültig klar, dass es ein Verfahren braucht, um die Interessen der Anwohnerschaft, des Stadtteils sowie die sportlichen und wirtschaftlichen Ziele der Stadt miteinander in Einklang zu bringen. 2004 brachte das Moderationsverfahren zur Pauliner Marsch erstmals Vertreterinnen und Vertreter der Anwohnerschaft, der Vereine, der Politik und der Verwaltung an einen Tisch. Es wurde vereinbart, dass „zukünftige Entwicklungen immer in einem einvernehmlichen Gestaltungsprozess zwischen allen Beteiligten (…) erzielt werden sollen.“ 

Guter Kompromiss für die Zukunft des Fußballs 

Auf diese Erfahrungen konnte aufgebaut werden, als 2018 die notwendige Modernisierung des Leistungszentrums des SV Werder Bremen ein weiteres Moderationsverfahren erforderlich machte. Besonders kontrovers wurde diesmal über Auswirkungen auf die Pauliner Marsch in ihrer Bedeutung als Hochwasserrisikogebiet und Überschwemmungsreservoir diskutiert. Am Ende stand ein Kompromiss: Zwar wurde nicht die von Werder favorisierte große Lösung mit einem neuen Stadion für die Frauen- und die U23- Mannschaft umgesetzt, dafür konnte Platz 11 umfassend modernisiert werden. Das Leistungszentrum wird zu einem attraktiven Campus für hochtalentierten Fußballnachwuchs ausgebaut.   

Platz 11

Campus Neubau

Herzlich Willkommen

100 Jahre Weserstadion - Tauche ein in ein bewegtes Jahrhundert voller großer Sportmomente, magischer Nächte und einzigartiger Atmosphäre.