Sitzen ist für'n Arsch

Fans bauen eine Kurve  

Die Ostkurve des Weserstadions nimmt nicht nur aufgrund ihrer einzigartigen Stimmung eine besondere Stellung ein. Nirgendwo anders haben die Fans so viele eigene Ideen in die baulichen Gegebenheiten ihrer Kurve eingebracht. Und kaum eine Kurve hat so viel zum Erhalt der Stehplatzkultur in der Bundesliga insgesamt beigetragen.

Endlich ein Dach 

Anfang der 1990er-Jahre nahmen die Planungen bei Werder Bremen für einen Ausbau der Ostkurve Fahrt auf. Das stieß bei den Fans grundsätzlich auf Gegenliebe. Sie forderten schon länger: „Wir wollen ein Dach“. Die Werder-Fans waren bis dahin nicht nur dem Bremer Wetter ungeschützt ausgesetzt, sondern oft auch den Gästefans in der Westkurve akustisch unterlegen. Diese verfügten im Gegensatz zu ihnen über ein Dach als Resonanzraum.   

In diese Situation platzte der Vorstoß der UEFA, nach englischem Vorbild nur noch Sitzplätze zuzulassen. Auslöser waren vor allem die Stadionkatastrophen in Brüssel (1985) und Hillsborough (1989), bei denen zahlreiche Menschen zu Tode kamen. Die organisierte Fanszene von Werder fürchtete, dass es in einer neu gestalteten Ostkurve nur noch Sitzplätze geben würde. Unter dem Motto „Sitzen ist für´n Arsch“ bildete sie gemeinsam mit dem Bremer Fan-Projekt eine Arbeitsgruppe, die eigene Vorstellungen für den Umbau ihrer Kurve entwickelte. 

Modell mit Ostkurvensaal und Stehplätzen 

Mit Unterstützung von Modellbauern des Kulturzentrums Schlachthof entstand ein maßstabgetreues Modell der Kurve, das wesentliche Elemente enthielt, die schließlich auch umgesetzt wurden: die Integration eines selbstverwalteten Fan-Raumes (Ostkurvensaal) und von Arbeitsplätzen für das Fan-Projekt sowie den Erhalt von Stehplätzen, die bei internationalen Spielen zu Sitzplätzen umgerüstet werden können. 

Dieses Modell präsentierte die Projektgruppe „Ostkurve“ nicht nur den Entscheidungsträgern bei Werder und der Stadt Bremen. Sie organisierte auch ein hochkarätig besetztes internationales Symposion mit Stadionplanern und anderen Expert*innen in der Bremer Bürgerschaft. Zum Erfolg dieser Arbeit hat auch die griffige Formel „Sitzen ist für´n Arsch“ beigetragen, die von anderen Fanszenen in Deutschland dankbar übernommen wurde. 

Sitzen ist für'n Arsch

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