Wenn die Weser einen hohen Bogen macht
Seine erste Wassertaufe erlebte das Stadion gleich zu Beginn der Bauarbeiten an der Südtribüne, als eine Sturmflut im Januar 1926 die Pauliner Marsch überschwemmte. Zum Glück hatten die Erbauer der ABTS-Kampfbahn die neue Tribüne vorausschauend als Eisenbetonkonstruktion konzipiert, die nicht nur diese Sturmflut ohne größere Schäden überstehen sollte. Dies galt aber nicht für die Erdwälle, die als Stehtribünen das Stadion vervollständigen sollten. Diese wurden zum großen Teil von der Sturmflut einfach weggespült.
Diesem Hochwasser sollten noch viele folgen, meistens, weil ein Sturm von der Nordsee her dafür sorgte, dass das Weserwasser nicht abfließen konnte. Das vielleicht verheerendste Hochwasser hatte jedoch andere Gründe: Der berüchtigte „Hungerwinter“ kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte mit fast durchgängigem Dauerfrost von November 1946 bis in den März 1947 und Temperaturen unter minus zwanzig Grad für eine gewaltige Eisschicht auf der Weser gesorgt. Als mit dem Frühling die Temperaturen stiegen, brach diese Schicht und die Eisschollen türmten sich zu riesigen Barrieren, hinter denen sich das Wasser staute - bis eine gewaltige Flutwelle alles mit sich riss und alle gerade erst provisorisch wieder aufgebauten Brücken über die Weser wieder zerstörte. Dieses Hochwasser hat keine Rekorde bei den Pegelständen erreicht und das Weserstadion einigermaßen verschont, wie das Foto zeigt. Aber Bremen war in zwei Hälften geteilt, die sich nicht mehr erreichen konnten.