Drinnen Fahnenappell - draußen Straßenschlacht
6. Mai 1980. Bei den Anhängern von Werder Bremen herrschte nach der 2:4-Heimniederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern vier Tage zuvor mehr denn je Abstiegsangst. Doch am Abend wurde das Weserstadion aus einem ganz anderen Grund zum Top-Thema der Tagesschau: Vor dem Stadion lieferten sich tausende Polizisten und Demonstranten eine der schwersten Straßenschlachten in der Geschichte Bremens. Der WESER-KURIER schrieb: „Der Osterdeich glich zeitweise einem Schlachtfeld.“
Friedensbewegung macht mobil
Anlass war die zentrale Feier zum 25. Jahrestag des Beitritts der Bundesrepublik Deutschland zur NATO, die unter den Augen von Bundespräsident Karl Carstens und Verteidigungsminister Hans Apel mit einem Großen Zapfenstreich sowie dem öffentlichen Gelöbnis von 1.200 Rekruten begangen wurde.
Für die damalige Friedensbewegung, die im Widerstand gegen die Nachrüstungspläne der NATO starken Zulauf erhalten hatte, war die Zeremonie eine provokante „Militär-Show“. Rund 10.000 Menschen demonstrierten dagegen. Ein Teil der Demonstranten beließ es jedoch nicht bei der friedlichen Kundgebung, bei der unter anderem der damalige Jugendsenator und spätere Bürgermeister Henning Scherf auftrat.
Eisenstangen und Wasserwerfer
Trotz des Einsatzes von Wasserwerfern griffen sie die etwa 1.000 vor dem Stadion eingesetzten Polizeibeamten mit Eisenstangen, Pflastersteinen und Molotowcocktails an. Mehr als 250 Polizisten sowie zahlreiche Passanten, Demonstranten und auch einige Soldaten wurden bei den Ausschreitungen verletzt.
Der damalige Innensenator Helmut Fröhlich (SPD) bezeichnete die Krawalle als „die schwersten Zwischenfälle in Bremen seit Kriegsende“. Der 6. Mai 1980 gilt in der Geschichtsschreibung vielfach als ein Schlüsselmoment für die Entstehung der militanten autonomen Bewegung in Deutschland.