Aus Sport wird Propaganda
Aufmärsche, Massenkundgebungen und völkische Inszenierungen: mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde das Weserstadion zu einem der Zentren parteipolitischer Propaganda in Bremen. Politische Veranstaltungen hatte es dort allerdings bereits in der Weimarer Republik gegeben. Seit 1927 nutzten die Parteien der Arbeiterbewegung das Stadion für ihre traditionellen Kundgebungen zum 1. Mai.
Maikundgebung auf NS-Art
Daran knüpften die Nationalsozialisten ab 1933 unter völkischen und zunehmend militaristischen Vorzeichen an. So wurde die Bevölkerung am 1. Mai 1939 unter dem Motto „Volk und Wehrmacht“ auf den bevorstehenden Krieg eingestimmt. Ein Jahr zuvor wurde eine Rede Adolf Hitlers aus der Reichshauptstadt übertragen. Persönlich hatte Hitler allerdings schon 1932 bei einer Wahlkampfveranstaltung der NSDAP im Stadion gesprochen.
Weitere NS-Propaganda-Veranstaltungen in der Bremer Kampfbahn, wie das verstaatlichte Stadion ab 1934 hieß, waren unter anderem: eine Massenkundgebung mit Propagandaminister Joseph Goebbels (8. Juni 1934), der „Tag der Wehrmacht“ mit der ersten öffentlichen Rekrutenvereidigung (7. November 1935) sowie der „Tag der SA“ mit rund 45.000 SA-Männern (6./7. Juni 1936).
Sport als Mittel der Propaganda
Auch der Sport wurde gezielt für propagandistische Zwecke eingesetzt, und Werder Bremen engagierte sich aktiv im Sinne dieser NS-Propaganda. So wurde 1934 ein Fußballspiel zwischen Werder Bremen und den Sportfreunden 05 Saarbrücken mit einer Saar-Kundgebung, politischen Reden und nationalsozialistischem Liedgut verbunden, um für den Anschluss des Saargebiets an das Deutsche Reich zu werben.
Vor dem Städtevergleich Bremen gegen Danzig im selben Jahr marschierten die drei „Jungbanne des Oberbanns Bremen“ auf, um – wie es in der Bremer Zeitung hieß – „für den volksdeutschen Gedanken der Hitlerjugendarbeit zu demonstrieren“. Die gesamte Veranstaltung sei zu „einer mächtigen Kundgebung im Zeichen des Volksverbundenseins mit den Gästen und Freunden aus der Stadt Danzig“ geworden.
Sportliche Höhepunkte in der Bremer Kampfbahn
Zu den sportlichen Höhepunkten jener Zeit zählten die Endrundenspiele um die Deutsche Meisterschaft. Als Gaumeister qualifizierte sich Werder Bremen erstmals in der Saison 1933/34 für diese Endrunde. Weitere Gaumeisterschaften und damit Endrundenteilnahmen folgten in den Spielzeiten 1935/36, 1936/37 sowie in der Kriegssaison 1941/42.
Der letzte sportliche Höhepunkt vor Kriegsbeginn war das erste Fußball-Länderspiel in Bremen am 23. Mai 1939. Die Begegnung gegen Irland endete 1:1. Die irischen Gäste befolgten vor Spielbeginn die Direktive der NS-Organe, wonach auch ausländische Mannschaften den „Deutschen Gruß“ zu leisten hatten.
Das Stadion im Krieg
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs unterlag auch das Stadion der Verdunkelungspflicht, die gezielte Bombenabwürfe erschweren sollte. Zur Luftabwehr wurden auf dem Stadiongelände drei Flaktürme errichtet: einer zwischen Osterdeich und Nordgeraden und zwei weitere im beziehungsweise auf dem Dach der Tribüne im Süden.
Trotz der Kriegsbedingungen kam der Spielbetrieb nicht zum Erliegen – im Gegenteil: Sport, insbesondere Fußball, galt in den Kriegsjahren als „kriegswichtig“ und wurde entsprechend gefördert. Er sollte zur Unterhaltung und Ablenkung der Bevölkerung beitragen.
Selbst nach Beginn des Luftkriegs gelang es, zahlreiche Zuschauer in die Bremer Kampfbahn zu locken. So sahen am 4. Oktober 1942 rund 12.000 Zuschauer das Viertelfinale des deutschen Pokalwettbewerbs zwischen Werder Bremen und dem LSV Stettin (4:1).
Die letzten Spiele vor Kriegsende
Als es aufgrund von Militärdienst und Kriegsproduktion zunehmend schwieriger wurde, genügend Spieler für einen regulären Spielbetrieb aufzubieten, wurden Siebenermannschaften zugelassen, wenn keine elf Spieler zur Verfügung standen. Konnte ein auswärtiger Gegner nicht anreisen, wurden kurzfristig Bremer Mannschaften organisiert.
Trotz nahezu permanenten Fliegeralarms schlossen sich am 25. Januar 1945 elf Bremer Vereine zur „Spielgruppe Bremen“ zusammen. In deren Rahmen fanden auch die letzten Spiele von Werder Bremen vor Kriegsende statt: am 11. Februar 1945 gegen SV Vegesack (7:1) in der Bremer Kampfbahn und am 25. Februar 1945 auf dem benachbarten Union-Platz gegen BBV Union (8:2).
Zehn Wochen und drei Tage später endete mit dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ auch die Geschichte der Bremer Kampfbahn.